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Alltagshelden

  • Autorenbild: Franzi C
    Franzi C
  • 18. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Der frühere Superman-Schauspieler Christopher Reeve wurde mal gefragt, was für ihn ein Held sei. Er meinte:


My answer was that a hero is someone who commits a courageous action without considering the consequences. And now my definition is completely different. I think a hero is an ordinary individual who finds the strength to persevere and endure in spite of overwhelming obstacles.“

Übersetzt heißt das so viel wie:


„Meine Antwort war immer, dass ein Held jemand ist, der etwas Mutiges macht, ohne über die Folgen nachzudenken. Aber jetzt ist meine Definition eine andere. Ich denke, ein Held ist eine ganz normale Person, die immer wieder die Stärke findet, weiter zu machen, egal wie groß die Hindernisse auf dem Weg sein mögen.“

Und ich glaube, dass er Recht hat. Ich glaube, dass zu wenig auf die Menschen geschaut wird, die sich jeden Tag aufs Neue einem Problem stellen und versuchen, es zu lösen. Und ja, ein bisschen rede ich da auch von mir. Denn ich weiß, wie schwer es sein kann, an den eigenen Schwächen zu arbeiten oder in einer scheinbar ausweglosen Situation zu stecken und trotzdem nicht aufzugeben.


Es sind oft die stillen, aber dafür umso größeren Kämpfe, die viele Menschen jeden Tag führen. Ich habe schon einige solcher Kämpfe hinter mir. Ich wurde schlecht behandelt und habe trotzdem nie zugelassen, dass ich meine Erfahrungen an andere weitergebe und sich jemand wegen mir auch mal so schlecht fühlt. Ich habe studiert, auch wenn mir immer wieder gesagt wurde, dass ich dafür zu dumm sei. Und jetzt unterstütze ich meine Freunde bei ihren beruflichen Erfolgen und freue mich für sie, auch wenn mich diese Momente immer etwas traurig machen, weil ich selbst schon so lange keinen Erfolg mehr hatte. Das alles war und ist nicht selbstverständlich.


Jede Person, die sich einer Krankheit stellt, sich von gemeinen Mitschülern oder einer inkompetenten Arbeitskollegin nicht unterkriegen lässt oder auf eine andere Art in einer schwierigen Lage steckt und trotzdem nicht aufgibt, ist ein Alltagsheld. Jede Person, die an den eigenen Werten, wie z.B. Gerechtigkeit, Respekt und nett zu anderen sein, festhält, auch wenn alle um sie herum diese Werte scheinbar nicht haben und es ein Leichtes wäre, diese Werte einfach im nächstbesten Mülleimer zu entsorgen, ist laut dem ehemaligen Superman ein Held bzw. eine Heldin.


Ich glaube aber auch, dass die Liste noch weiter geht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, in solchen Zeiten Menschen um sich zu haben, die geduldig an der Seite stehen, während man mit sich selbst oder gegen ein Problem ankämpft. Man braucht die, die da sind, wenn man zum zehnten Mal über ein Problem sprechen möchte. Und die, die bleiben, wenn man in der eigenen Entwicklung gerade wieder unfreiwillig ein paar Schritte zurück gehen musste. Und auch die, die es verstehen, wenn man sich gerade nicht öffnen kann, weil man zu viel Angst vor der Reaktion der anderen hat.


Es geht um die, die wissen, dass man sich in solchen Momenten nicht von ihnen distanziert oder sie etwas falsch gemacht haben. Und um die, die einen zum Lachen bringen, wenn der eigene Kampf mal wieder so schwer ist, dass er alles überlagert und man kurz vergessen hat, dass das Leben auch einfach und lustig sein kann. Das sind die, die einen ohne Worte verstehen, auch wenn gerade selbst nicht weiß, was eigentlich los ist.


Sie sind der Grund, warum ich es immer wieder geschafft habe, weiterzumachen. Wegen ihnen habe ich die Kraft, nachdem ich zum 1000. Mal gescheitert bin, aufzustehen und es zum 1001. Mal zu probieren. Schließlich sind sie die Menschen, die ich mir als Kind immer gewünscht habe. Ich wusste zwar nie, ob es solche Menschen überhaupt gibt, aber eine Sache war mir immer klar. Wenn es sie gibt, möchte ich zu ihnen besser sein, als meine Eltern es zu mir waren. Ich weiß, die Latte liegt da sehr weit unten, aber mein Ziel war natürlich auch nicht, nur gerade so drüber zu steigen, sondern mit großem Abstand drüber hinweg zu fliegen.


Und das habe ich auch geschafft! Und ich bin mir ziemlich sicher, genau weil ich die ganze Zeit andere Heldinnen und Helden an meiner Seite hatte. Denn am Ende war der Kampf für mich immer etwas leichter, weil ich wusste, dass an der Seite ein paar Menschen stehen, die mir mit einer Engelsgeduld zusehen und mich unterstützen, mich ein kleines bisschen mehr lieben, wenn ich es gerade nicht kann, und auf mich warten, bis ich bereit bin, den nächsten Schritt mit ihnen zusammen zu gehen.

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