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Dafür bin ich zu alt!

  • Autorenbild: Franzi C
    Franzi C
  • 22. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Ich hatte neulich ein Gespräch mit meiner Schwester darüber, dass einige Erwachsene einfach älter wirken als andere - unabhängig vom Alter. Ich bin der  Meinung, dass vor allem die Erwachsenen älter wirken, die nicht so oft albern und kindisch sind. Ich habe immer das Gefühl, dass die sich und ihr Leben  dann ernster nehmen als es nötig wäre. Und das sieht man dann auch von außen.


Ich werde beispielsweise regelmäßig mindestens fünf Jahre jünger geschätzt trotz einer steigenden Anzahl von grauen Haaren und Falten. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ich mir einen Morticia Addams-Sticker auf meinen Laptop geklebt habe, bevor ich anfing, diesen Artikel zu schreiben. Oder einfach damit, dass in meinem sprichwörtlichen Schrank ein paar Tassen fehlen. Oder vielleicht ist auch damit, dass in meinem tatsächlichen Küchenschrank keine einzige der Tassen einfach „normale“ aussieht. Alle haben einen Harry Potter- oder Disney-Bezug oder ein mittelmäßig peinliches Kinderfoto von meinen Schwestern als Aufdruck. Bei den Gläsern sieht es übrigens ähnlich aus.


Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich als Kind nicht immer so albern und sorgenfrei sein konnte, wie ich es sein wollte, und ich es jetzt einfach nachholen will. Manchmal glaube ich auch, dass es mir einfach gut tut, dieser ernsten Welt und meinen Problemen etwas witziges oder albernes entgegenzusetzen. Als Gegengewicht sozusagen, damit die allgemeine Balance meines Verstandes erhalten bleibt.


Ich erinnere mich auch noch gut daran, dass mir als Kind und Jugendliche ziemlich viele Dinge peinlich waren. Das ist mit den Jahren weniger geworden. Und irgendwann habe ich sogar angefangen, absichtlich peinliche Dinge zu tun. Denn es ist wirklich immer wieder sehr befreiend, wenn trotz der „super peinlichen Situation“ nie etwas schlimmes passiert, obwohl ich vorher immer Angst habe, dass die anderen mich dann komisch finden, mich auslachen und nichts mehr mit mir zu tun haben wollen.


Solche Situationen helfen mir dabei, mich selbst und mein Leben nicht zu ernst zu nehmen. Denn ich möchte kein Mensch sein, der irgendwann solche Dinge sagt wie „Das ist doch nur was für Kinder“ oder „Dafür bin ich zu alt“. Ich bin gerne die, die auf einem Kindergeburtstag in einem Jumphouse mit den Kindern zusammen auf den Trampolinen springt, statt an der Seite zu sitzen und nur zuzusehen. Auch wenn ich mir dabei einen Brustwirbel breche, weil ich zwar im Kopf manchmal noch wie 12 bin, aber es mein Rücken leider nicht mehr ist.


Versteht mich nicht falsch. Es ist okay, wenn man als Erwachsene keine Lust aufs Trampolinspringen hat und lieber an der Seite sitzt. Oder es schöner findet, wenn die Tassen alle dieselbe Farbe haben. Aber solche Dinge nicht zu machen oder zu kaufen, weil man glaubt, dass es ein Höchstalter dafür gibt, finde ich quatsch. Ich meine, wer entscheidet sowas? Gott? Das Kümelmonster? Oder doch wieder die Grünen? Ich weiß es nicht.


Am Ende sind solche Momente ja auch die einzige Gelegenheit, ein bisschen Freude ins eigene Leben zu bringen. Unsere allgemeine Zufriedenheit oder sogar unser Glück haben wir nicht immer in der Hand. Manchmal laufen die Dinge nicht so, wie wir es wollen. Unser Partner trennt sich von uns oder finden erst gar keinen. Wir finden keinen Job oder sind unzufrieden mit dem, den wir haben. Das nennt sich Leben. Wir machen alles richtig und trotzdem bekommen wir nicht das, was wir wollen.


Aber wir haben jederzeit volle Kontrolle darüber, wie die Tasse aussieht, aus der wir unseren Tee trinken. Wir können uns auch jederzeit dazu entscheiden, mit 400 anderen Leuten zusammen einen schlechten Film zu schauen und sich dafür als Hai zu verkleiden. Oder wir können mit 23 nach London fahren und die originalen Harry Potter-Sets ansehen und mit strahlenden Augen die große Halle betreten oder das 15 Meter hohe Hogwarts-Modell bestaunen. In solchen Momenten fühlt man sich überhaupt nicht erwachsen, sondern eher wie 11. Und das ist auch gut so!


Ich bin deswegen ja auch nicht weniger erwachsen oder sollte deshalb weniger ernst genommen werden. Erwachsensein und auf einer Feier den Macarena tanzen, schließt sich nicht gegenseitig aus. Es ist kein Widerspruch und auch keine Doppelmoral. Wenn ich den ganzen Tag Macarena tanzen würde oder auch auf Beerdigungen, wäre es sicherlich fragwürdig. Aber so ermöglicht es mir einfach nur, kurz mein Gehirn abzuschalten und mein Kindheitszentrum zu aktivieren. So lässt sich das Erwachsensein den Rest der Zeit leichter ertragen. Genauso wie einem das Arbeiten oder die Schule leichter fällt, wenn man vorher noch im Urlaub war.


Dass ich ab und zu mal albern bin, bedeutet auch nicht, dass ich mein Leben weniger ernst nehme. Im Gegenteil, ich weiß sehr gut, wie ernst das Leben manchmal sein kann. In solchen kindischen Momenten stelle ich mich nur kurz  über mein Leben und nehme ihm die Macht, über meine Stimmung entscheiden zu können. Und genau deswegen sind sie auch so wichtig. Weil es doch oft genug umgekehrt ist und ich nur auf mein Leben reagiere. In diesen Momenten habe ich mein Leben selbst in der Hand und der Ernst des Lebens muss in der Ecke stehen und warten, bis ich mich wieder mit ihm beschäftigen möchte.                     

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