Endlich wieder Pfannkuchen!
- Franzi C
- 31. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Am Ende eines Jahres wollen immer alle auf das Jahr zurückblicken. Auf YouTube, im Fernsehen, auf den Bühnen und sogar in der eigenen Musik-App wird das endende Jahr zusammengefasst und unsere privaten, politischen und musikalischen Sünden werden uns nochmal vor Augen geführt. Dabei bin ich immer froh, wenn mir die längst verdrängten Dinge nicht nochmal begegnen. Also warum wollen wir alle so unbedingt einen Jahresrückblick?
Ich komme nicht umhin, eine gewisse Ironie zu bemerken. Das ganze Jahr über wird sich darüber beschwert, wie schlecht doch alles geworden ist und dass früher alles besser war, und trotzdem will man sich am Jahresende gern eine Zusammenfassung all dessen ansehen, worüber man sich das letzte Jahr bereits mehrfach aufgeregt hat. Vielleicht ist es ja, weil das Jahr in diesem Moment, kurz vor dem Jahreswechsel zu diesem tollen „Früher“ wird. Vielleicht aber auch, weil wir Menschen einfach gerne meckern. Wer weiß.
Versteht mich nicht falsch. Prinzipiell finde ich es super, wenn Menschen zurückblicken, solange sie dabei etwas sinnvolles für sich mitnehmen und beispielsweise ihr Verhalten reflektieren können. Das sollten meiner Meinung nach sogar noch viel mehr Menschen machen. Und vielleicht machen einige das eben nur am Ende eines Jahres, so wie ich früher im Studium auch erst kurz vor der Prüfung alles nochmal angesehen und gelernt habe und nicht Stück für Stück schon während des Semesters. Im Gegenteil dazu erledige ich den größten Teil meiner persönlichen Reflexion schon während des Jahres. Trotzdem verschaffe auch ich mir am Jahresende nochmal einen kurzen Überblick über mein ganz persönliches, vergangenes Jahr.
Ich finde es beispielsweise immer schön, wenn mir auffällt, was ich dieses Jahr alles geschafft habe. Am schönsten sind immer die Dinge, die ich nicht in meinen Lebenslauf schreiben kann. Zum Beispiel, wenn ich interessante Erkenntnisse über mich selbst hatte oder mein Antidepressivum abgesetzt habe und nun stolz sagen kann, dass ich gesund bin. Oder auch wenn ich mich weiterentwickelt habe oder sich Freundschaften vertieft haben.
Ich bin auch dankbar für jedes interessante Buch und für jedes Gespräch, bei dem ich jedes Gefühl für Raum und Zeit vergessen habe. Ich denke auch gerne an die neuen und schönen Orte zurück, die ich dieses Jahr entdeckt, besucht und fotografiert habe. Mir fällt aber auch auf, dass ich schon wieder keinen Job bekommen habe und nun zum wiederholten Male einem neuen Jahr mit der Hoffnung entgegenblicke, dass es vielleicht dieses Mal endlich klappt.
Das sind aber alles Dinge, die mir auch schon während des Jahres auffallen. Dafür brauche ich kein extra Datum im Kalender. Allerdings finde ich gut, dass auf das Jahresende erfahrungsgemäß auch immer ein Jahresanfang folgt. Den nutze ich dann gerne, um den angestauten Frust loszulassen und einfach von vorne anzufangen. So als wäre ein Buch zu Ende und ich fange ein neues an. Dadurch vergesse ich natürlich nicht die Geschichte des alten Buches, aber ich schließe sie gedanklich ab und öffne mich für die des neuen Buches.
Sowas hilft mir vor allem dabei, neue Hoffnung zu schöpfen für all das, was eben im alten Jahr noch oder schon wieder nicht geklappt hat. Und so erzähle ich mir jedes Jahr aufs Neue, dass 2023 2024 2025 2026 mein Jahr wird. Dieses Mal aber wirklich! Das Ganze hat natürlich genauso viel Ironie wie die, die sich das Jahr über bereits über die Politik aufgeregt haben und sich einen Jahresrückblick ansehen, um sich nochmal über genau dieselben Dinge aufzuregen und dieselbe Meinung zu demselben Thema zu haben.
Meine Vorsätze entstehen übrigens genauso wie meine Rückblicke: Über das Jahr verteilt, immer dann, wenn es gerade passt, und nicht, wenn eine neue Jahreszahl ansteht. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass die Vorsätze, mit deren Umsetzung man bis zum Neujahr wartet, eher scheitern als Vorsätze, die man sich an einem normalen Mittwoch vornimmt. Der Grund dafür soll sein, dass man, wenn man sich Mitte Dezember etwas überlegt, aber damit bis Neujahr wartet, längst die Motivation verloren hat, wenn es dann soweit ist. Macht auf jeden Fall Sinn.
Am Ende muss jede Person für sich wissen, was sie mit dem Jahreswechsel umgeht. Die Einen blicken zurück und die Anderen nach vorne. Die Einen regen sich auf, die Anderen haben eine ellenlange Wunschliste für das nächste Jahr und wieder Andere freuen sich einfach nur darauf, endlich mal wieder Pfannkuchen zu essen. Ich gehöre übrigens zu Letzteren. Für mich ist nur wichtig, dass das Jahr mal wieder endet und ich mal wieder von vorne anfangen kann. Denn dieses Mal klappt es bestimmt!





Kommentare