Mein letzter Artikel
- Franzi C
- vor 1 Stunde
- 3 Min. Lesezeit
Als ich diesen Blog vor zwei Jahren ins Leben gerufen hatte, wusste ich nicht, wo ich damit lande oder wie lange ich ihn haben werde. Ursprünglich wollte ich ihn nutzen, um das Schreiben irgendwann mal beruflich machen zu können. Das hat nicht geklappt und darüber bin ich ehrlich gesagt auch ganz froh. Der Blog war in den letzten zwei Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens, aber jetzt ist es an der Zeit, mit ihm abzuschließen. In meinem letzten Artikel möchte ich euch erzählen, was die zwei Jahre mit mir gemacht haben und warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, mit dem Schreiben aufzuhören.
Spulen wir also zwei Jahre zurück. Inspiriert von meiner Therapeutin eröffnete ich meine eigene Webseite und begann zu schreiben. Einerseits um es vielleicht irgendwann beruflich machen zu können. Andererseits um meine eigene Stimme wiederzufinden. Am Anfang meiner Krankheit hatte ich Schwierigkeiten damit, meine Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen.
Das war vor allem deshalb so schlimm, weil ich mich schon immer am besten mit Worten ausdrücken konnte. Andere machen das mit Kunst, Tanz oder einem Handwerk. Für mich funktionieren Worte am besten. Ich wollte aber nicht nur meine inneren Worte wiederfinden, sondern auch die, die für außen bestimmt waren.
Ein jahrelanges Fehlverhalten der eigenen Eltern löst immer tonnenweise Scham aus. Natürlich nicht bei den Eltern. Nein, bei den Kindern. Und diese Scham sorgt dann dafür, dass man sich nicht mehr traut, über gewisse Dinge zu reden. Mit dem öffentlichen Blog wollte ich genau diese Scham besiegen. Denn das Gegenteil von Scham ist Mut. In meinem Fall der Mut, mich verletzlich zu zeigen und offen über das, was mich bewegt, zu schreiben.
Der Mut, meine Gedanken und Gefühle zu veröffentlichen, führte automatisch dazu, dass die Scham für andere ebenfalls kleiner wird. Denn durch das Lesen meiner Geschichte und meiner Probleme fühlen sich andere gesehen und verstanden. Oder zumindest wurde der Alltag mit psychischen Problemen sichtbarer, greifbarer und verständlicher, sowohl für Betroffene als auch für Nicht-Betroffene. Wenn sich auch nur eine Person beim Lesen meiner Texte dachte „Oh, ich bin ja gar nicht allein mit diesem Problem.“, dann habe ich schon viel geschafft.
Aber warum höre ich jetzt auf? Zum Einen, weil ich ab März wieder Vollzeit arbeite. Als ich noch arbeitslos war, war das Schreiben ein guter Grund, um einmal pro Woche in mein Lieblingscafé zu fahren und bei einem guten Cappuccino einen hoffentlich guten Text zu produzieren. Das Schreiben hat mir eine gute Struktur und eine Aufgabe gegeben. Jetzt brauche ich beides nicht mehr.
Zum Anderen habe ich aber seit längerem das Gefühl, dass der Blog nicht mehr zu mir passt. Ich bin mittlerweile an einem Punkt in meiner Heilung, an dem ich nicht mehr ständig an früher oder an das, was das Früher heute noch für Auswirkungen auf mich hat, nachdenken will und muss.
Ich habe im Alltag kaum noch Probleme mit alten Triggern. Und wenn sind sie eher leicht und ich kann gut damit umgehen. Ich habe das Gefühl, ich habe für mich alles (oder zumindest einen Großteil) geklärt und aufgearbeitet. Im Gegensatz zu früher bringt mir das Schreiben kaum noch neue Erkenntnisse.
Ich habe das Gefühl, ich bzw. meine Geschichte ist auserzählt. Das andauernde Zurückkehren zu meiner Vergangenheit fühlt sich für mich mittlerweile fast künstlich an. Ich und meine Probleme leben im Hier und Jetzt und das ist auch gut so. Aber das bedeutet eben auch, dass der Blog nicht mehr zu mir passt. Und bevor ich halbherzige Texte veröffentliche, schließe ich ihn lieber.
Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um mich von meinem Blog zu verabschieden und den nächsten Schritt zu gehen. Ich bin dankbar für jede Person, die meine Texte gelesen hat, und für jede Person, die mir jemals Feedback gegeben oder ihre Geschichte/Gedanken mit mir geteilt hat. Ich hoffe, euch hat der Blog genauso viel Spaß gemacht wie mir. Vielen Dank für eure Zeit und eure Treue! Over and out.



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