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Meine Intuition und ich

  • Autorenbild: Franzi C
    Franzi C
  • 30. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Ich glaube, dass unsere Intuition schon weiß, was gut für uns ist, bevor wir überhaupt angefangen haben, über ein Thema nachzudenken. Es passiert mir regelmäßig, dass ich über etwas länger nachdenke und versuche, mein Bauchgefühl und meinen Verstand zu Wort kommen zu lassen. Ich mache das in der Hoffnung, dass ich dann am Ende die „richtige“ Entscheidung treffe. Aber wie schaffe ich das? Und brauche ich dafür mein Bauchgefühl, meinen Kopf oder sogar beides?


Ich glaube, wir alle wollen richtige Entscheidungen für uns treffen. Wir wollen nichts falsch machen, später nichts bereuen und die anderen nicht enttäuschen. Daran ist ja erstmal nichts falsch. Aber ich merke doch, dass ich mir manchmal selbst zu viel Druck mache und anfange, zu viel und zu lange über alles nachzudenken. Denn wer weiß, vielleicht fällt mir nach fünf Stunden nachdenken noch etwas ein, was mir nach „nur“ vier Stunden nicht eingefallen ist. Vollkommen logisch.


Das Problem ist nicht mal die Länge des Nachdenkens, sondern die Tatsache, dass ich irgendwann auf der Suche nach neuen Argumenten anfange, wirklich alles anzuzweifeln. Das, was ich denke, meine, weiß und fühle. Das Ergebnis: Völliges Chaos in meinem Kopf und noch mehr Unsicherheit als vorher.


Dabei ist auch egal, worum es geht. Ob Freundschaften, Partnerschaften, Jobs, Hobbys oder die Wandfarbe meines Wohnzimmers. Oft habe ich zwar zu den Dingen eine Intuition, aber weil ich in dem Moment nicht ganz nachvollziehen kann, wo die genau herkommt, fange ich an, alles zu analysieren.


Dabei nimmt unser Bauchgefühl und unser Nervensystem selbst die kleinsten Dinge war, die wir erst viel, viel später in Worte fassen können. Ich habe schon Menschen kennengelernt, bei denen mir in den ersten Monaten nicht klar war, ob sie irgendwann mal meine Freunde werden. Zu ihnen hatte ich lange eine eher neutrale Beziehung. Heute sind das gute Freundinnen, die mit mir durch dick und dünn gehen.


Im Gegensatz dazu habe ich schon Menschen kennengelernt, bei denen ich bereits nach fünf Minuten ein gutes Gefühl hatte und dachte, wir wären auf einer Wellenlänge. Mit keinem von ihnen bin ich heute noch befreundet, denn sie waren die Ersten, die sich in Luft aufgelöst haben, als es mir mal nicht so gut ging.


Interessanterweise ist mir aufgefallen, dass ich mich bei den Personen am sichersten gefühlt habe, bei denen ich mir lange nicht sicher war, ob sie meine Freunde werden. Klingt irgendwie widersprüchlich. Und so ganz verstehe ich es auch noch nicht, aber es war wirklich so.


Wenn das Nervensystem im Ruhemodus ist, fahren wir runter. Wir sind ganz wir selbst und wissen, dass wir um Hilfe fragen können und sagen können, was wir denken, ohne verurteilt zu werden. Wir drehen nicht künstlich auf, aber wir verstecken uns auch nicht.


Für eine wie mich, die aus einem chaotischen Haushalt kommt und die sich immer anpassen musste, wirkt dieser Ruhemodus - vor allem, wenn ich ihn in Gegenwart von anderen erlebe - immer noch ziemlich befremdlich. Deswegen kann ich neue Personen, bei denen ich mich sicher fühle, auch nicht sofort einordnen. Stattdessen frage ich mich monatelang nach jeder Begegnung, ob die Person gut für mich ist und ob ich sie nochmal wiedersehen will. Ich merke dann, dass ich nichts gegen die Person habe, aber eben auch nicht sofort „Juhu“ schreie, wenn ich sie sehe.


Aber warum hat es bei den Nicht-Freunden denn sofort Klick gemacht, als ich sie gesehen habe, wenn ich doch offensichtlich bei Ihnen nicht ich selbst sein kann und deswegen dann später die Freundschaft zerbricht? Ich glaube, genau weil ich nicht ich selbst sein kann. Bei ihnen ist es wie früher bei mir zuhause. Ich muss mich anpassen und eine Rolle spielen. Um das zu schaffen, muss ich nur den Raum bzw. die Person lesen. Nichts leichter als das.


Eine echte Beziehung aufzubauen braucht Zeit. Wenn beide Personen sie selbst sind, muss man sich erstmal kennenlernen. Man muss über verschiedene Themen reden und Zeit miteinander verbringen, um zu sehen, wer da eigentlich vor einem steht. Nur durch die gemeinsamen Erfahrungen entwickelt sich dann Vertrauen, Zuneigung und eine echte Bindung.


Wenn aber sofort klar ist, dass die andere Person gar nicht interessiert, wer ich bin, kann ich mir all das sparen. Denn dann muss ich nur verstehen, welche Rolle ich für mein Gegenüber spielen soll. Diese Rolle lässt sich meist in einem Satz zusammenfassen. „Sei laut und lustig.“ „Sei ruhig und unsichtbar.“ „Sei ein braves Kind und tu alles, was ich dir sage.“


So entsteht natürlich niemals eine echte Bindung, aber für mich fühlt es sich leider immer noch bekannt und angenehm an. Es ist ja auch so schön einfach, nicht seine gesamte Persönlichkeit zeigen zu müssen, sondern immer nur den Teil, den die andere Person braucht. Und solange ich mich daran halte, mag mich mein Gegenüber ja auch. Oder zumindest wird so getan als ob.


Aber zurück zur Intuition. Warum merke ich die eigentlich ziemlich klaren Anzeichen meines Nervensystems nicht? Ich meine, ich bin entspannt und kann ich selbst sein. Was brauche ich denn noch? Ich sag’s euch. Vertrauen. Vertrauen in mich, in mein Gefühl und in das, was mein Bauch schon längst weiß.


Ich halte mich gerne für eine Person, die prinzipiell Glück beim Nachdenken hat und alle Entscheidungen gut durchdacht trifft. In letzter Zeit hat aber immer öfter meine Intuition das Sagen. Und das, obwohl ich es nicht mag, Entscheidungen spontan und unter Zeitdruck zu fällen. Deshalb denke ich immer noch über mögliche Optionen, Probleme, Vor- und Nachteile nach. Aber am Ende hat meine Intuition das letzte Wort. Und womit? Mit Recht!


Meine Bauchgefühl sieht Dinge, die meine Augen nicht sehen. Er fühlt Dinge, die meine Haut nicht berühren. Und er hört, was an meinen Ohren vorbei rauscht. Also ist es egal, wie lange ich über ein Thema nachdenke, ich würde nie alle Informationen sammeln, die mein Bauch schon längst mitbekommen und fein säuberlich notiert hat. Da wäre ich doch doof, wenn ich dieser Kompetenz nicht vertrauen würde.

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