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Schicksal oder Glück?

  • Autorenbild: Franzi C
    Franzi C
  • vor 28 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit

Ich bin keine Person, die an Schicksal glaubt oder daran, dass gewisse Dinge vorbestimmt sind. Ich glaube auch nicht daran, dass es für jede Person nur die eine große Liebe gibt. Und doch gibt es manchmal Momente, in denen ich denke, es ist gut, dass diese eine Sache damals nicht geklappt hat. In solchen Momenten weiß ich nicht, ob es nicht vielleicht doch einen tieferen Grund dafür gibt, dass die Dinge so liefen, wie sie eben liefen.


Eigentlich bin ich der Überzeugung, dass das Leben einfach so vor sich hin läuft. Manchmal können wir beeinflussen, wie und wohin es läuft, und manchmal können wir das nicht. Manchmal haben wir dabei Glück und manchmal nicht. Und wahrscheinlich ist das Leben tatsächlich einfach eine Kette aus Zufällen, Glück und ein paar gezielten Entscheidungen.


Wenn das so ist, wäre das, was von außen aussieht wie Schicksal, tatsächlich nur Zufall, der sich als Schicksal verkleidet hat, damit ich am Ende mit verzauberten Augen dastehe und Sätze sage wie „Es ist gut, dass es damals nicht geklappt hat. Das sollte bestimmt so sein.“


Es gibt schließlich auch genügend Beispiele, bei denen ich mir im Nachhinein wünschte, etwas hätte nicht geklappt. Das wären dann die Momente, in denen das Schicksal scheinbar versagt hätte. Ich meine, wir kennen doch alle, diese Menschen, die wir nie hätten treffen müssen. Oder diese Erfahrungen, die einfach nichts gebracht haben. Beides war einfach nur Zeitverschwendung. Wenn es das Schicksal wirklich geben würde, erschließt sich mir der Plan hinter solchen Erfahrungen nicht. Ist es also doch einfach nur Zufall?


Möglich. Sehr wahrscheinlich sogar. Aber wie schön wäre es doch, wenn die positiven Dinge, die uns passieren, nicht ohne Grund geschehen? Wenn es nur all die Zeit schief lief, damit wir solange weitermachen, bis wir das Richtige für uns gefunden haben. Vielleicht spricht aus mir da auch nur die Erleichterung darüber, dass sich alle negativen Erfahrungen am Ende gelohnt haben. Wenn ich zum Schluss einfach froh darüber bin, dass jetzt alles besser ist, habe ich irgendwie das Gefühl, die Misserfolge vorher waren nötig, damit ich dann da lande, wo ich nun bin.


Realistisch betrachtet hätte es den beschwerlichen Weg dahin aber gar nicht gebraucht. Etwas Schönes wird ja nicht schöner, nur weil ich vorher viel Nicht-Schönes erlebt habe. Ich bin zwar dankbarer dafür, weil ich ja erfahren habe, wie es ist, wenn ich das Schöne nicht erlebe oder bekomme, aber oft schwingt dann, wenn ich es erfahre/bekomme, auch ein frustriertes „Wird ja auch Zeit!“ mit.


Wie ihr ja sicherlich wisst, suche ich schon seit längerem einen Job. Momentan läuft die Suche sogar ziemlich gut. Ich werde oft zu Gesprächen und Tests eingeladen. Am Anfang wurde ich von den Firmen entweder komplett ignoriert oder sofort ungesehen abgelehnt. Damals fand ich das einfach nur unfair, dass mir nicht mal eine vernünftige Chance gegeben wird. Rückblickend bin ich ganz froh darüber, dass ich keinen der Jobs bekommen habe. Denn mittlerweile bin ich mir sicher, sie hätten nicht zu mir gepasst und ich wäre jetzt wahrscheinlich schon wieder auf Jobsuche.


Noch eine weitere Arbeit, die nicht zu mir passt, bräuchte ich wahrlich nicht in meiner Sammlung. Aus dieser Perspektive ist es also ganz gut, so viele Absagen bekommen zu haben. Denn jetzt weiß ich ganz genau, welcher Job zu mir passt und welcher nicht. Durch die Niederlagen und die Zeit, die inzwischen vergangen ist, habe ich mich selbst besser kennengelernt und bin besser darin geworden, meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen und die durchzusetzen.


Bei einigen Jobs, die ich mir damals rausgesucht habe, dachte ich mir, das wäre bestimmt lustig und könnte irgendwie passen. Jetzt weiß ich, ich wäre spätestens nach drei Monaten wahnsinnig geworden und hätte definitiv nichts mehr zu lachen gehabt. Aber war das jetzt das Schicksal, das mich vor der Fehlentscheidung bewahrt hat, oder einfach Glück, das damals fälschlicherweise aussah wie Pech?


Vielleicht sind es sogar einfach nur zwei Begriffe für ein und dieselbe Situation. Wie bei dem sprichwörtlichen halbvollen bzw. halbleeren Glas. Objektiv ist in beiden Gläsern gleich viel drin, aber subjektiv scheint das eine irgendwie voller zu sein als das andere.


Gut möglich, dass das mit dem Schicksal und dem Zufall ähnlich ist. Ganz objektiv passiert dasselbe. Die Interpretation ist nur jeweils eine andere. Entweder folgt der Erfolg auf die Niederlage oder das Glück folgt auf das Pech. Am Ende ist auch gar nicht so wichtig, welches davon „richtig“ ist. Hauptsache es läuft endlich mal besser! Das ist doch das Einzige, das wirklich zählt.

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