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Stolz auf meinen Weg

  • Autorenbild: Franzi C
    Franzi C
  • 20. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Es ist soweit. Ich habe endlich einen Job! Meine scheinbar endlose Jobsuche hat ein Ende. Es fühlt sich surreal an, nach fast drei Jahren Arbeitslosigkeit nicht nur ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, sondern auch tatsächlich am Ende des Tunnels angekommen zu sein. Nach der anfänglichen Freude überwiegen jetzt hauptsächlich Erleichterung und Stolz.


Erleichterung, weil die ständige Bewertung der Firmen jetzt aufhört. Weil ich demnächst nicht mehr unter dem Existenzminimum leben werde. Weil ich wieder etwas zu tun habe. Weil ich endlich wieder beruflichen Erfolg haben kann, anstatt ständig zu scheitern. Und vor allem, weil ich nicht mehr einen Schweißausbruch kriegen werden, wenn eine Rechnung ins Haus flattert.


Und natürlich Stolz. Zum einen, weil ich die Stelle bekommen habe. Aber das ist mit Abstand der kleinste Grund. Stolz bin ich vor allem auf den Weg zu dieser Stelle. Denn er war „steinig und schwer", wie Xavier Naidoo sagen würde. Aber es stimmt ja. Er war steinig, verdammt schwer und extrem lang.


Und wie immer, wenn ich ein Ziel erreicht habe, blicke ich zurück und schau mir den Weg nochmal ganz genau an. Denn jetzt, wo ich am Ziel stehe, erkenne ich zum ersten Mal den Weg hierhin. Vorher dachte ich, ich hätte immer wieder von einem Weg auf einen anderen gewechselt. Ich dachte, ich sei zwischendurch auch mal auf gar keinem Weg gewesen und sei einfach so hin und her geirrt. Aber nein. Die ganze Zeit war es ein und derselbe Weg.


Mittlerweile bin ich ganz froh, dass ich die Jobs, auf dich ich mich früher beworben habe, nicht bekommen habe. Wenn ich einen davon bekommen hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich schon wieder auf Jobsuche. Ich hab die Jobs danach ausgesucht, wie cool oder kreativ sie sind, und nicht danach, wie gut sie zu mir passen und meiner Persönlichkeit entsprechen. Keiner dieser coolen Jobs hätte mich glücklich gemacht. Einfach weil ich nicht cool und kreativ bin und schon gar nicht 40 Stunden in der Woche.


Ich wusste damals einfach nicht, wer ich bin und demnach auch nicht, was zu mir passt. Ich wäre an einem Ziel angekommen, aber es wäre das falsche Ziel gewesen. Es war also irgendwie ganz gut, so oft und so lange zu scheitern, auch wenn sowas von Natur aus überhaupt keinen Spaß macht und eigentlich nur frustrierend ist.


Währenddessen habe ich aber so viel über mich gelernt, was ich sonst wahrscheinlich nicht gelernt hätte. Ich bin in den letzten Jahren zum ersten Mal beruflich gescheitert. Vorher lief immer alles glatt. Jede Prüfung, jeder Abschluss hat geklappt. Jede Aufgabe auf Arbeit hat funktioniert.


Für mich war Schule und Arbeit immer eine Flucht vor meinem chaotischen Inneren. Ich habe mich auf etwas konzentriert, was immer gut lief, damit ich nicht sehen muss, wie in mir drinnen alles in sich zusammen fällt. Das klappte aber nur solange, bis ich nur noch ein Scherbenhaufen war, der nicht mehr arbeiten konnte. Erst dann wurde mir klar, was ich durch das jahrelange Wegsehen angerichtet hatte.


Als ich arbeitslos wurde, hatte ich also nichts mehr zum Ablenken und musste mich damit befassen, wie viele mentale Baustellen ich hatte. Die fehlende Ablenkung durch einen Job ist dann der ultimative Test für mich, meine Denkweisen und meinen Heilungsweg. Es ist wie ein Lernen und eine Prüfung unter Extremsituationen. Mit der Zeit habe ich die dann immer besser gemeistert.


Und genau deswegen bin ich auch so stolz auf mich. Die letzten Jahre waren eine einzige Extremsituation. Ich war krank und arbeitslos. Einige Menschen werden (verständlicherweise) durch den finanziellen Stress der Arbeitslosigkeit krank, wenn sie es nicht schon vorher waren. Ich aber war schon krank und habe es geschafft, in der Zeit sogar gesund zu werden, habe meine Therapie beendet und mein Antidepressivum abgesetzt.


Gesund werden ist wahrscheinlich schon mit Arbeit schwer genug. Das Ganze wird nicht einfacher, wenn man heilen soll, während man permanent negatives Feedback von den Firmen bekommt und Existenzängste hat. Deswegen bin ich unglaublich stolz darauf, dass es trotzdem geschafft habe, zu heilen und dabei die Jobsuche nicht aufzugeben, obwohl ich oft genug kurz davor war.


Es gab unzählige Momente, in denen ich mich fragte, ob ich mich überhaupt noch weiter bewerben soll. So oft schien das alles sinnlos zu sein, weil es ja eh nicht klappte. Aber ich habe jedes Mal wieder weiter gemacht, denn hätte ich aufgegeben, wäre ich erst recht nicht an mein Ziel gekommen.


Das Nicht-Aufgeben ist überhaupt meine größte Leistung der letzten Jahre. Das und mein endloser Optimismus darüber, dass definitiv irgendwann alles besser wird, was ja wiederum der Grund war, warum ich auch nach dem 1000. Mal Scheitern nicht aufgegeben habe und es noch ein 1001. Mal probiert habe.


Und zu guter Letzt (Achtung Meta-Ebene) bin ich stolz darauf, dass ich stolz auf mich bin. Vor ein paar Jahren konnte ich das nicht. Ich hätte mir diesen Moment schlecht geredet mit Sätzen wie „Das hätte ja auch schneller gehen können.“ oder „Das ist doch nichts besonderes, Arbeit zu finden.“ Immer nach dem Grundsatz: Ich darf nur auf besondere Leistungen stolz sein, aber nichts, was ich tue oder schaffe, ist etwas besonderes, deshalb kann ich nie stolz auf mich sein. Ein Grundsatz mit dem ich immer nur verlieren konnte.


Nein, es ist nichts besonderes, Arbeit zu finden. Aber ich habe mittlerweile verstanden, dass ich auch auf nicht-besonderes stolz sein darf. Ich habe hart dafür gearbeitet, also habe ich es mir verdient und darf auch stolz darauf sein. Auch unabhängig davon, ob andere Arbeit finden oder ob sie sie schneller finden als ich.


Vor allem aber habe ich gelernt, dass meine Arbeitslosigkeit mich nicht zu einem schlechten, faulen, dummen oder/und wertlosen Menschen macht. Zumal ich ja nicht wirklich nicht gearbeitet habe. Ich habe an mir und meiner Gesundheit gearbeitet. Nur weil man diese Arbeit von außen nicht sofort sieht und sie nicht bezahlt wird, heißt es nicht, dass es keine Arbeit ist oder es nicht anstrengend wäre. Ähnlich wie bei der Kindererziehung oder den Aufgaben im eigenen Haushalt.


Alles in allem waren die letzten Jahre so interessant und aufregend wie anstrengend. Aber alles, was ich auf dem Weg hierhin gelernt habe, werde ich nie vergessen. Das alles hat mich geformt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und wenn ich dafür diesen langen, steinigen Weg brauchte, dann ist das am Ende auch in Ordnung.

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